Presse2018-02-07T08:06:36+00:00

Pressespiegel

Seit dem ersten Auftritt begleitete natürlich die lokale Presse den Weg der Theatergruppe. An dieser Stelle finden Sie kleine Auszüge aus Zeitungsartikeln und Bilder von der Arbeit „hinter den Vorstellungen“, die den harten Weg zu diesem Lob dokumentieren.

Pension Schöller uff saarländisch
19.02.2017 Saarbrücker Zeitung
In dieser Pension checken vor allem „Saarlänner” ein

Völklinger Theatergruppe Titania unterhält mit ihrer eigenen Version des Komödien-Klassikers „Pension Schöller”. Von Walter Faas
Die Grenze zwischen Wahnsinn und Normalität ist fließend. Keiner erfährt das besser als Philipp Klapproth. Klapproth ist eine Theaterfigur, Spießer, Sucher, Gaffer, will Ausgefallenes hautnah erleben. Quartiert sich in einer vermeintlichen Irrenanstalt ein, die in Wirklichkeit eine stinknormale Pension ist. Erlebt Haarsträubendes. Soweit der Plot der Komödie „Pension Schöller”, die seit der Uraufführung 1890 in Berlin an deutschen Bühnen rauf und runter gespielt wird. Zu Recht, wenn man Klamauk mag und unbeschwert lachen will.

Die Uraufführung der allerersten saarländischen Fassung gab’s am Freitag im ausverkauften Titania-Bahnhof Völklingen, und die kam gut an. Regisseur Jürgen Reitz hat den „Schöller” überarbeitet und, weil selbst kein „Saarlänner”, seinen Schauspielern die Übersetzung überlassen. Die palavern sich munter, mal rhein-, mal moselfränkisch, durchs Stück, durch „Meisch und Deisch”, „Lu mo loo” oder „Dabba dummel disch!”.
In dieser feinen Pension hat jeder einen an der Waffel, ob exzentrischer Weltenbummler, naive Schriftstellerin, Over-protection-Mother oder der Möchtegern-Mime, der trotz „Sprachfehner” mit Inbrunst Othenno, King Near oder Friedrich Schinners „Wannenstein” zitiert, bis ihm eine „Fniege in den Hans fniegt”. Kein einziges L wutscht ihm durch, eine beachtliche Leistung. Bizarre Situationen bringen Gaffer Klapproth in den Schwitzkasten, bis er am Ende vor lauter Erklärungsnot selbst nicht mehr weiß: „Bin isch jeddsd bekloppd oda sinns die onneren?”

Es spricht fürs Titania-Theater Völklingen (ein Projekt, das vor 14 Jahren aus einem VHS-Programm entstand und seither die Kulturszene auch mit ernsten Stücken bereichert), dass es das Stück nicht unnötig aufbläht, sondern temporeich als Dreiakter mit kurzer Pause inszeniert. Bis zum guten Ende, versteht sich, bahnt sich doch eine Dreifachhochzeit an, weil: „Ich bin verliebt wie eine Eintagsfliege kurz vor der Abenddämmerung”. Oder: „Er iss joo eischendlich gons normal. Unn droddsdem gedda heirade”. Aha!

Bei der Uraufführung wirkten mit: Inge Anne, Jennifer May, Sabrina Heckmann, Katja Albert, Rita Beyer, Christelle Schneider, Ralf Westermann, Holger Mayer, Peter Hahn, Kai von Schenck, Erwin Irmisch und Matthis Löw.

Offline-Banking
22.01.2018 Saarbrücker Zeitung
Völklingen. Klischees in Komik verwandeln: Darin zeigten sich die Laienschauspieler vom Titania-Theater als Könner in ihrem neuen Stück „Offline-Banking“. Von Walter Faas

Einer Bank kann man vieles  anvertrauen. Es sei denn, es handelt sich um ein Geldinstitut – dann Vorsicht! Frech, vorlaut, unverblümt, gerne auch makaber, widmet sich das „Lachwerk Titania Völklingen“ dem Thema. Im Mittelpunkt: die schlichte Holzbank.Aus der kann man was machen“, müssen sich die Titania-Laienspieler gedacht haben. Und ihnen fiel schon viel ein! Ob Online-Banking, Samenbank, Bank fürs Leben, Bank fürs Lieben, Bank mit Minuszinsen – selten wirkten Klischees lustiger als am Freitag bei der Premiere.

Wie Perlen an einer Kette reihen die Titanias einen Sketch an den anderen. Sie klimpern auf der Ukulele, blasen auf der Blockflöte, singen Tränenlieder, schmettern Marlene Dietrich-, Zarah Leander- oder Trude Herr-Schlager, rezitieren Vierzeiler, sind Dada. „Der schönste Platz, den ich auf Erden hab’, das ist die Rasenbank am Elterngrab“, seufzt der Chor in bester Tränenlieder-Manier.Und diese unscheinbare Bank, was hat sie nicht alles gesehen? Liebespaare, Dichter, Denker, fesche Frauen, begnadete Phrasendrescher – des Lebens pralles Füllhorn sozusagen gibt sich hier ein Stelldichein. Da plappert der Fred, der allseits unbekannte  Dichter, Philosoph, Liedermacher, mit Leichenbittermiene über „Leise Hühner“ oder das bewusstseinserweiternde Vergehen der Zeit an leeren Busbahnhöfen im tiefen Pfälzer Wald. Eine „wär’ so gern  vulgär, wenigstens temporär“, die andere wartet darauf, „dass einmal ein Wunder geschieht“ und also Kollagen als Anti-Aging-Salbe  alle Falten wegzaubert. Die Bank hört’s, schweigt, macht Platz für die vorwitzige Postbotin, die, zum zweiten Frühstück,  gerne das Briefgeheimnis  verletzt und also Pfarrers Sexgeheimnisse laut vorliest. Schon rasen Notarzt und Patient Maier vorbei, im Stil von Goethes „Erlkönig“, mit dem Fazit: „Der Maier, der lebt, der Notarzt ist tot.“

Ein rostiger Ritter sinkt ins feuchte Grab, wird von der Nixe gerettet. Die geht aber fremd mit einem Hecht und   gebiert  einen Bankert („das Wort Banker kommt daher!“). Traurige Geschichte, aber auf der titelgebenden Bank kann das Kleine zumindest gut geschockelt werden. Derweil Fred ein weiteres Nonsensgedicht („Es trägt den Titel ‚Ohne Titel’ – manchmal fällt mir sowas ein!“) zum Besten gibt. Hoher Unterhaltungswert!

Menschen-Märchen-Moritaten
23.5.2017 Saarbrücker Zeitung

Wenn im kleinen Theater im Alten Völklinger Bahnhof das Licht ausgeht, Regisseur, Ideengeber und Impresario Jürgen Reitz eigenhändig den Vorhang zur Seite schiebt, kommen sie heraus aus ihren Verstecken. Sieben skurrile Typen, sechs Frauen, ein männliches Wesen. Kehren dem Publikum den Rücken zu, starren auf die elektronische Nummernanzeige, sperrig gesagt handelt es sich um eine Personenaufrufanlage, stellen sich aufs wortlose Warten ein. Nix wie raus mit dem Handy und ins digitale Paradies abdriften – das wäre jetzt der Normalfall bei gefühlten 85 Prozent der Leute, in der Bahn, beim Doktor, sogar auf der Straße.

Hier nicht. Die Zahl Tausendundeins flimmert auf. Wie stimmig! Zwei Punks springen auf, drehen am Leierkasten, singen „Die Moritat von Mackie Messer“, frei angereichert durch Brüder-Grimm-Figuren. „Dass doo woor jeddsd moo gons was onneres!“, befinden die Mitspieler. Der Beginn eines schaurig-schönen Moritatenabends mit Tränenliedern aus der Küche ist gemacht. Makabres fördert das Titania-Team zu Tage, wie etwa im „Tantenmörder“ von Frank Wedekind: „Das Geld war schwer zu tragen, die Tante viel schwerer noch.“ Unglaubliches ereignete sich anno dunnemals in Wiebelskirchen an der Saar, die grauselige Bluttat beim Pfarrersmord durch einen Gardeleutnant aus Berlin. Gier, Glück, Geld, Gold, ein sorgenfreies Leben, treibt die Protagonisten des beinahe atemlosen Spiels auf der Titaniabühne um, das ungefähr so lange dauert wie ein Fußballspiel mit Verlängerung. Nur viel spannender, möchte man hinzufügen. Auf die Idee, mit Entsetzen Scherz zu treiben, durch uralte Schauerballaden, Bänkelgesänge, bittersüße Gedichte und Geschichten, kann nur Jürgen Reitz kommen. Sein Titania-Ensemble setzt die gewollte Tragikomik wunderbar um. Dem Publikum bleibt der Reiz vergessen geglaubter Erzählromantik Marke „Asbach Uralt“. Hier und da spürt man Gänsehaut. Die Begeisterung im Publikum ist groß.

In der Premiere wirkten mit: Rainer Müller, Heidi Müller, Hilde Mottweiler, Hilde Westrich, Kristin Hasper, Petra Beck, Mary Fey-Kaiser. Im Programmzettel sind weiter erwähnt: „Manuel Krass hat die originale Leierkastenmusik gemacht. Marion Runko bastelte den bombastischen Leierkasten. Mary sorgte sich um Essen und Trinken. Petra malte all die schönen Bilder. Rainer hat den Computer gefüttert. Jürgen Reitz führte Regie.“

Hinter den Vorstellungen

Das Stück „Abi 68“ ist hinreißend gespielt, weil elf Frauen (es handelt sich schließlich um ein Mädchengymnasium), ein schnodderiger Wirt und zwei chaotische Schlingel alles in die Waagschale werfen, was gutes Amateurtheater ausmacht. Die Requisite, Gelsenkirchener Barock mit Hirsch am Bergsee, wirkt bieder. Nicht so die Mode, die ist peppig, frech, sexy. Spannende Lebensläufe. Hier kommen Frauen zusammen, gestandene Persönlichkeiten, die gerne Klartext reden und vor Lebensfreude sprühen. Solistische Beiträge in Form französischer Chansons, deutscher Schmachtfetzen und Beatles-Songs runden den schönen Theaterabend ebenso ab wie ein Quiz mit Zeitfragen, bei dem das Publikum einbezogen wird.

Doch als die skurrile Verwechslungsgeschichte dann ihren Lauf nimmt, wirkt die Gruppe so homogen und locker, als spielte sie dieses Stück nicht zum fünften, sondern zum 50. Mal. Diese Routine aber zeigt sich erfreulicherweise nur in der Sicherheit des Textes und im Ablauf. Ansonsten spielen die neun Titanier neunzig Minuten lang frisch und lebendig, dass man sie gar nicht als „Laiendarsteller“ wahrnimmt. Da ist nichts Hölzernes, nichts Übertriebenes, das Stück fleßt wie soeben neu improvisiert.

„Jeder Mann hat etwas Höheres als das Weib, wenn er wieder nüchtern ist.“ Starken Beziehungsstoff bot das Theater Titania Völklingen in seiner jüngsten Premiere. Die Komödie „Don Juan und die Liebe zur Geometrie“ in fünf Akten von Max Frisch dreht sich um massenhaft verführte Frauen, erdolchte Männer, die Suche nach wissenschaftlicher Wahrheit und die Freiheit (des Mannes) von allen sozialen Bindungen. „Erleben Sie großes Welttheater in unserer kleinen Hütte!“, kündigte Regisseur Jürgen Reitz an. Klein ist der Spielsaal im alten Völklinger Bahnhof wohl, sparsam eingesetzt werden die Requistien, doch die Spielfreude der Titania-Mannschaft ist umwerfend. Selten hat man bei Titania so viele herrliche Kostüme gesehen, eine Augenweide. Starker Stoff, hinreißend gespielt vom Titania-Ensemble, dem Tragik und Witz des „Don Juan“ zur Steilvorlage für unterhaltsames Zweistunden-Theater werden. Kein Charakter wirkt fehl besetzt: Schauspiel-Kurzweil in seiner besten Form. Das ist umso bemerkenswerter, als hier ausschließlich Laien-Schauspieler am Werk sind.

Hinter den Vorstellungen

Reitz spielt mit Laien, er hat bei der Völklinger Volkshochschule die Theatergruppe Titania aufgebaut. Da er Profi ist und bei den Proben mit anderen Profis – etwa der Musikpädagogin Anne-Marie Heißner und dem Musikstudenten Manuel Krass – zusammenarbeitet, spielt Titania in einer höheren Liga als andere Amateurtheater.

Da war nicht nur kein Hänger, kein Stolperer drin, auch keine Langeweile oder über triebene Kalauerei. Da war zusätzlich noch spontaner Genuss zu spüren, und zwar bei allen, ohne dass jemand sich dabei extra in den Vordergrund spielen wollte.

Der knackige Lametta-Abend dauert nur knapp eine Stunde. Aber der Ablauf ist rasant, eine Szene jagt die andere. Die Zuschauer kamen aus dem Lachen nicht heraus, applaudierten begeistert und feierten nach dem Stück gemeinsam mit den Darstellern ausgiebig den Premieren-Erfolg.

Die Darsteller spielen sich die Seele aus dem Leib. Das Publikum reckt die Hälse, um auf der niedrigen Bühne nichts zu verpassen – und spendet am Ende prasselnden Applaus. „Die Leistung der Schauspieler ist enorm.“

Hinter den Vorstellungen

Bombige Stimmung, freche Texte, motivierte Schauspieler: Die Laientheater-Gruppe Titania traf mit ihrem Stück „Calling Elvis“ den Nerv der Zuschauer im Völklinger Alten Bahnhof. Und mit diesem Stück zeigen die Schauspieler deutlich, dass sie den Begriff Theater spätestens jetzt für sich in Anspruch nehmen können.

Zu keiner Zeit ließ das Ensemble Langeweile aufkommen, denn selbst die Übergänge zwischen den 35 Einzelstücken waren so durchdacht inszeniert, dass sogar der Umbau der Requisiten eine Performance für sich darstellte.

Mit dem Musical „Linie 1“ könnte die Völklinger Theatergruppe Titania glatt in die Profiliga aufsteigen. Zeigt sie doch mit dieser Revue, dass sie viel mehr kann, als man normalerweise von Amateuren erwartet. Mit tollen Choreografien und halsbrecherischen Treppenstürzen, mit Tanz, Gesang und schauspielerischen Glanzleistungen überzeugten die Akteure am Samstag das Premierenpublikum im Alten Bahnhof Völklingen.